„Friedrich Merz hat bei einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Berlin am 17. September 2026 im Zusammenhang über Judenhass und Migration erklärt, dass die „perfideste Form der Ausländerfeindlichkeit der Antisemitismus“ sei."
Die Absurdität dieser Aussage liegt darin, dass sie jüdische Menschen sprachlich und gedanklich automatisch zu „Ausländern“ erklärt. Jüdinnen und Juden in Deutschland sind jedoch zu einem überwiegenden Teil deutsche Staatsbürger, deren Familien oft seit Generationen oder Jahrhunderten hier leben. Wer Judenhass als eine Spielart von Ausländerfeindlichkeit definiert, bedient unwillkürlich genau das jahrhundertealte antisemitische Stereotyp, dass Juden in Deutschland niemals wirklich dazugehören, fremd bleiben und keine vollwertigen Inländer sein können.
Hinzu kommt, dass die Aussage das eigentliche Wesen des Antisemitismus verfehlt und verharmlost. Klassische Ausländerfeindlichkeit richtet sich meist gegen Menschen, denen man pauschal abspricht, Teil der eigenen Nation zu sein, oft verbunden mit rassistischen Vorurteilen einer vermeintlichen Minderwertigkeit. Der moderne Antisemitismus hingegen funktioniert völlig anders: Er ist ein geschlossenes verschwörungsideologisches Weltbild, das jüdischen Menschen oft eine bösartige Übermacht, geheime Fäden im Hintergrund und weltumspannende Kontrolle andichtet. Wer diesen spezifischen Vernichtungswahn einfach unter „Ausländerfeindlichkeit“ einordnet, versteht weder die historische Dimension des deutschen Antisemitismus noch seine heutige Gefahr.
Schließlich wirkt der Satz in einer Rede über Migration besonders schief. Indem Antisemitismus an dieser Stelle in den Topf der Ausländerfeindlichkeit geworfen wird, schiebt man den Judenhass rhetorisch elegant ausschließlich auf Migranten ab. Damit blendet man vollkommen aus, dass Antisemitismus seit jeher tief in der deutschen Mehrheitsgesellschaft verwurzelt ist und eben kein bloßes Nebenprodukt von Zuwanderung oder Fremdenfeindlichkeit darstellt.